Alfa Romeo Giulia Veloce Q4

Agile Enge mit Allrad

 

David ist Praktikant bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit spielt er Basketball und fährt Motorrad Touren. Er liebt sportliche Fahrzeuge und fährt privat einen BMW 320i (2003) sowie eine Yamaha YZF-R6 (2015).

 

Diesen Monat durfte ich den Alfa Romeo Giulia 2.2 JTDM 210 Q4 Veloce Probe fahren. Das Auto kannte ich  schon seit längerem und es gefiel mir sehr, ich hatte es jedoch bis anhin nur auf Bildern gesehen. Umso erstaunter war ich, wie atemberaubend es in echt aussieht - oder sollte ich besser sagen: sie? Die langgezogenen Scheinwerfer, die filigrane Linienführung sowie der Kühlergrill lässt die Wahrnehmung über das Äussere des Fahrzeugs zu einem Balanceakt zwischen sportlicher Aggressivität und spielerischer Leichtigkeit werden.

 

Betrachten wir nun das Innere. Designtechnisch gibt es am Interieur nichts auszusetzen – die Giulia ist modern und schlicht gehalten. Der Innenraum ist sehr übersichtlich und vermittelt durch den Startknopf und die grossen Schaltpaddels das Flair eines Rennwagens. Bei der Verarbeitung muss sich Alfa Romeo jedoch noch mehr Mühe geben. So fielen mir nicht nur einige nicht abgerundete Kanten auf, sondern auch, dass sich das Fach unter der Mittelarmlehne sich nur mit Mühe öffnen lässt.

 

Beim Platzangebot im Innenraum bekommt die Giulia einen Minuspunkt. Für eine Limousine dieser Kategorie ist die Rückbank sehr eng. Um dem Fahrer das Ein- und Aussteigen zu erleichtern, fährt der Vordersitz beim Öffnen der Türe automatisch nach hinten, und erst beim Motorstart wieder nach vorne. Eine praktische Lösung – für den Fahrer. Für solche, die hinten einsteigen (müssen), bedeutet dies, abzuwarten, bis sich der Fahrersitz bewegt, sprich erst wenn der Motor wieder eingeschaltet wird, da der Vordersitz fast bis zur Rückbank fährt und so ein Einsteigen unmöglich macht. Selbst danach ist der Platz auf den hinteren Sitzen eher mangelhaft. Mit meinen 1.83 m gehöre ich zwar nicht zu den Grössten, doch um hinten aufrecht zu sitzen, bin ich schon zu gross.

 

Beim Losfahren vergisst man jedoch all diese kleinen Mängel. Das Fahrverhalten der Giulia ist einfach phänomenal und macht riesigen Spass. Die Lenkung ist sehr präzise, wodurch das Kurvenfahren leicht fällt. Die Federung sorgt auch bei schlechten Strassenverhältnissen für einen hohen Komfort. Auch bei niedrigen Drehzahlen und Geschwindigkeiten ist die Beschleunigung so gut, dass es gar nicht auffällt, dass die Giulia eigentlich „nur“ 210 PS unter der Haube hat. Alles in allem ist das Fahrverhalten der Giulia einfach top.

 

Als Fan von Benzinmotoren tut sich der Diesel des Testfahrzeugs relativ schwer, mich zu überzeugen - ein Benziner hört sich nunmal besser an. Für Leute wie mich gibt es dann zum Glück noch eine Palette an Benzinmotoren. Wer jedoch gerne sparsam unterwegs sein möchte, dem würde ich die Dieselvariante empfehlen. Trotz seiner hohen Leistung bringt sie es beim Test auf einen Durchschnittsverbrauch von ca. 6 Litern.

 

Fazit: Die Alfa Romeo Giulia 2.2 JTDM 210 Q4 Veloce ist für mich eine ernstzunehmende Konkurrenz für die deutschen Sportwagenhersteller und macht grossen Spass. Sie glänzt durch die bella figura und sprüht nur so vor italienischem Charme. Einzig die Platzverhältnisse haben mich nicht überzeugen können. Als Limousine, die für mehr als zwei Insassen gedacht ist, sehe ich sie aber nicht, da sie dafür einfach zu knapp geschnitten ist.

 

E arrivata!

 

Manu ist seit 8 Jahren bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), BMW 525d Touring (2008), BMW F 800 GS (2007).

 

Erste Ausfahrt

Der Veloce bekommt seines Äusserens wegen viel Lob. Gerade in Rot und den schwarzen Felgen im Quadrifoglio Design kommt der Wagen am besten zur Geltung. Aber: Wir waren zu fünft im Mittag – der Kollege, der hinten sass, mag mich jetzt nicht mehr. Grund: Der Fahrersitz fährt beim Öffnen der Tür automatisch ganz nach hinten. Aua… etwas zu viel amerikanischer Einfluss für meinen Geschmack. Und auch sonst ist die Giulia fast so eng geschnitten wie ein BMW E30 der 80er Jahre. Aber weiter geht’s.

 

Unterwegs

210 PS sind – zusammen mit 470 Nm Drehmoment – mehr als genug. Viel wichtiger: Das Fahrverhalten des Giulia. Es ist frappierend, was die Ingenieure da hinbekommen haben. Den Alfa DNA-Schalter auf Dynamic, und los geht’s: Das Gaspedal spricht auf jeden Zehntelmillimeter Bewegung sofort an - und ich meine sofort. Turbolader? Egal. Der Druck ist sofort und immer da. Und kommt die erste Kurve, wow – diese Direktheit in der Lenkung ist atemberaubend. Millimeterarbeit wird hier möglich, man meint, auf einem Stecknadelkopf wenden zu können. Und dann sind da noch die riesigen, aus dem vollen gefrästen Schaltpaddel. Massiv, wertig, gross und auch noch schön anzusehen – perfekt. Genau so müssen Schaltpaddel sein! Aufforderung an alle anderen Hersteller ausser Lamborghini: Anschauen, nachbauen, oder sonst besser gleich ganz sein lassen.

 

Der Innenraum

Es gibt nicht viel auszusetzen, ausser ein paar grossen Spalten um die Mittelkonsole mit unschönen scharfkantigen Abschnitten. Und der wenige Platz hinten. Amnesty International mag da schon fast intervenieren, aber für ganz kurze Strecken gehts zu 5t, sonst beser nur 2 Erwachsene und 2 Kinder. Und auch der Wischerhebel mag nicht intuitiv funktionieren, aber sei‘s drum: Fahren will man mit dem Alfa, und wenn man fährt, dann grinst man. Was war da mit den Spaltmassen? Welche Spaltmasse?

 

Abschliessend

Wir hatten einige Kommunikationsprobleme mit der Presseabteilung der Alfisti. Aber auch wenn es die Dauer eines mittleren Leasings gebraucht hat, so war es doch das Warten wert. Dass der Wagen knapp 3 Jahre nach seiner Vorstellung noch immer dermassen überzeugt, war nicht zu erwarten und ist auch der Veloce Version geschuldet. Harmonisch designt mag sie vor allem von hinten nicht sein, aber es muss sich ja von der Basis unterscheiden. Und das tut es – und zwar so, dass mir das Design egal wird. So kann man es natürlich auch machen. Avanti, Giulia! Fatto bene, molto bene.

 


Das Fahrzeug wurde von FCA (Schweiz) AG zur Verfügung gestellt, alle weiteren Kosten wurden von ricardo.ch oder dem Fahrer übernommen.

 

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