BMW 218d xDrive GT Fahrbericht

Das undenkbare Auto

Manu ist seit 7 Jahren bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), BMW 525d Touring (2008), BMW F 800 GS (2007).

 

 

Jahrzehntelang hat man aus München nur ein Credo gehört:  Die Bayrischen Motoren Werke, berühmt vor allem durch ihre seidenweichen Reihen-6-Zylindermotoren, werden nie einen Van und nie ein Fahrzeug ohne Heckantrieb bauen, weil dies die traditionelle Fahrdynamik verfälschen würde. Nach 3 eigenen Generationen der 3er Reihe kann ich das gut nachvollziehen: Unerreicht-neutrales Handling und der Fahrspass der Marke spielte für mich immer in einer eigenen Liga.

 

Heute, 2016, sitze ich nun in einem Fahrzeug, was noch vor wenigen Jahren undenkbar war, aber das blau-weisse Propellerlogo trägt. MINI und der Frontantriebs-Architektur sei Dank, hat BMW doch tatsächlich A) einen Van, und B) mit Frontantrieb, und das erst noch Dreizylindermotor auf dem Markt! Und irgendwie ist der Aufschrei ausgebliebem, denn heute baut jeder Hersteller Autos für die letzte Nische und Segmente, die es vorher noch gar nicht gab und nennt es dann Cross-Over - alles ist erlaubt.

 

Und ja, schlecht fährt sich der Wagen mit dem sperrigen Namen BMW 218d Gran Tourer xDrive  Efficient Dynamics nicht. In einer absichtlich schnell angefahrenen Links-Rechts-Kombination (auch S-Kurve genannt), trägt mich der Frontantrieb doch fast ins angrenzende Feld raus – gerade noch erwischt. Das starke Untersteuern ist ungewohnt, aber bekannt von anderen Konzepten im Markt. Der Frontantrieb kann also nicht kaschiert werden, aber was anderen Recht ist, scheint BMW auch billig zu sein.

 

A propos billig: Die übliche Armada an Assistenzsystemen ist auch hier wieder an Bord und treibt den Preis auf über 65‘000 Franken hoch. Einiges braucht man davon sicher nicht, und es lenkt deutlich vom Fahren ab, wenn auch rein subjektiv etwas weniger als bei anderen Marken – nicht zuletzt dank des intuitiven iDrive-Bediensystems, das zu den besten Lösungen gehört. Eingewöhnung ist aber auch hier nötig – aber bitte schön im Stand.

 

Wir fahren den 2-Liter Vierzylinder-Diesel mit Allradantrieb und 150 PS, der als 220d auch noch mit 190 PS erhältlich ist, und er ist ausgesprochen leise, durchzugsstark und mit den 3 Fahrdynamik-Modi Sport, Comfort oder Eco Pro je nach Wunsch abgestimmt. Das Fahrwerk federt gut und komfortabel, wie man es sich von dieser Fahrzeuggattung wünscht. Die Sitze hinten sind verschieb- und in der 3. Reihe sogar im Boden versenkbar, in der ersten Reihe mit sehr gutem Seitenhalt versehen und durchaus bequem.

 

Praktische Lösungen haben also Vorrang, dann darf man sich dafür übers Design streiten. Und meinen Geschmack trifft das Auto nicht – kann auch es gar nicht mit den für 7 Sitze erforderlichen Proportionen. Allerdings ist die Front definitiv nicht die Schokoladenseite, und die wuchtigen A-Säulen beeinträchtigen die Übersicht nach vorne doch sehr stark. Also immer aufpassen auf Velos, Fussgänger und Rollerfahrer! Vielleicht hat es darum einen Auffahrwarner verbaut…

 

Mein Fazit: Praktisch, und innen im vertrauten, bewährten BMW-Look. Und aussen… nun ja, man muss darüber hinwegsehen können. oder wählt sonst einfach den 5er Touring, einen schicken Kombi.

 

Wenn‘s denn ein BMW-Van sein muss…

Marcel ist unser ehemaliger Managing Director von autoricardo.ch und auch neben der Arbeit dem Automobil eng verbunden - der Familienvater und Fan französischer Fahrzeuge holt daher gerne seinen Oldtimer aus der Garage. Fahrzeuge: Citroën CX 2.4 (1978), Citroën C5 V6 Break (2007), Saab 9-3 Turbo Cabriolet (2000) & Citroën C5 V6 HDi (2008).

 

 

Vans waren für mich immer das Statement dafür, dass man jetzt Familie und deshalb mit den Freuden im Leben abgeschlossen hat. Nun steht BMW ja für Freude am Fahren und könnte diesen Makel korrigieren. Leider geht das aber mit einem ziemlich freudlosen Design einher.

 

Im Innenraum punktet der 2er Gran Tourer zuerst mit markentypischen Qualitäten wie Verarbeitung, Bedienung und Sitzposition. Das für Vans relevante Platzangebot fällt aber nur durchschnittlich aus.  Die relative Enge in der ersten Reihe kann man natürlich auch als sportlich empfinden, und das Platzangebot in der zweiten Reihe kann fürstlich sein, sofern man den Beinraum nicht mit Passagieren in der dritten Reihe teilen muss. Dann wird’s nämlich für alle eng und ist zuhinterst sowieso nur für Kinder einigermassen erträglich. Der Kofferraum… nun ja, klein ist er nicht, aber wenn ich schon so ein Design akzeptieren muss, dann hätte ich gerne richtig Platz.

 

Einmal in Fahrt, passen dann die sportlichen Sitze zur sehr direkten Lenkung und dem agilen Fahrwerk: Da haben Sie wirklich ein „Best-Of“ von Mini (darauf basiert der 2er ja) und BMW geschaffen, welches in der Van-Klasse wohl den dynamischen Massstab festlegt, ohne dass man dafür mit Komfortdefiziten bezahlen müsste. Der Motor unseres 218 d passt untenrum mit seinem kräftigen Anzug ebenfalls sehr gut dazu. Bei höheren Tempi geht ihm dann aber schon irgendwann mal der Schnauf aus und auf der Autobahn wird es im Gran Tourer auch etwas laut durch den Wind.

 

Wirklich gestört und haben mich aber die breiten A-Säulen, hinter welchen sich an einer Verkehrsinsel ein kompletter Fussgänger verstecken konnte. Das Vorbeifahren an einer Schule wird so zum puren Stress, und auch bei der Einfahrt in einen Kreisel versucht man immer irgendwie um diese dicken Säulen herum zu blicken.

 

Fazit: Wenn es denn ein BMW UND ein Van sein muss – ja dann muss es wohl auch ein 2er Gran Tourer sein. Für alle anderen bieten die übrigen BMW-Modelle deutlich mehr markentypisches Feeling und die Modelle der Konkurrenz deutlich mehr Van-Kompetenz zu tieferen Preisen.

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