Fahrbericht Jaguar XE S

Jaguar XE S - Fahrbericht

"Not very british – but very much fun!"

Marcel ist Managing Director von autoricardo.ch und auch neben der Arbeit dem Automobil eng verbunden - der Familienvater und Fan französischer Fahrzeuge holt daher gerne seinen Oldtimer aus der Garage. Fahrzeuge: Citroën CX 2.4 (1978), Citroën C5 V6 Break (2007), Saab 9-3 Turbo Cabriolet (2000) & Citroën C5 V6 HDi (2008).

 

 

Ich wollte schon immer mal einen Jaguar fahren. Der Jaguar meiner Träume war aber bisher immer ein gediegen klassischer XJ mit beigem Leder und viel Holz. Doch auch das neue, dynamische Jaguar-Design, in welches auch der XE gekleidet ist, gefällt mir. Einzig das Heck wirkt etwas beliebig. Holz im Innenraum hat unser Test-XE auch keines mehr zu bieten. So ist das Interieur zwar schön gemacht, doch very britisch ist es nicht mehr.

 

Ein Druck auf den Startknopf und das Sinnieren über britischen Stil endet so schnell wie sich der Puls im Gegenzug beschleunigt. Ein kurzer Gas-Stoss und der V6-Kompressormotor begeistert mit einer Klangkulisse, die jedem, der auch  nur einen kleinen Tropfen Benzin im Blut hat, unweigerlich ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Und das Grinsen bleibt, wenn man den 340 Pferdestärken des XE den nötigen Auslauf gewährt. Dabei sitzt man perfekt und fühlt sich richtig ins Auto integriert. So braucht es schon einen starken Charakter und einen sehr sensiblen Gasfuss, wenn man mit diesem Auto seinen Führerschein auf Dauer behalten will. Schafft man das, kann der XE auch ein souveräner Autobahngleiter sein, der für eine Sportlimousine auch erstaunlich komfortabel abrollt. Aber eigentlich will der XE etwas ganz anderes: Mit seiner präzisen Lenkung und dem perfekt ausbalancierten Fahrwerk einsame Bergstrassen rauf und runter heizen und dabei seinen Fahrer wie auch seine Umwelt mit diesem wunderbaren Klang beglücken. 

 

Der Vollständigkeit halber: Der XE hat auch akzeptable Rücksitze, einen Kofferraum und wenn man genügend Kreuze auf der Optionsliste macht, ist er auch komplett ausgestattet. Doch das wird hier irgendwie zur Nebensache: Dieses Auto verkauft sich beim Druck auf den Startknopf.  

 

"Raubkatze auf Testosteron"

Manu arbeitet bei autoricardo.ch im Back Office. In seiner Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), BMW 525d touring (2008), BMW F 800 GS (2007).

 

 

Der neue Vorstoss von Jaguar in der Mittelklasse fällt auf: Diese Aussenfarbe, zusammen mit den schwarz glänzenden Akzenten, wo sonst Chrom glänzt – so erkennt man die sportlichste Variante des Jaguar XE auf Anhieb. Doch auch unter dem Blech versteckt sich Vielversprechendes: Die Karosserie aus Leichtbau mit 75% Aluminium Anteil, ein Teil davon sogar recycelt, belegt den Aufwand, den kein anderer Hersteller in diesem Segment betreibt. Und das merkt man. Die Limousine ist so agil und dennoch komfortabel, dass bei BMW die Köpfe rauchen. Hier wird tatsächlich die Messlatte neu gelegt, und in München wird es für die nächste 3er Generation eines Kraftakts bedürfen, damit man die Krone fürs beste Handling wieder nach Hause holen kann.

 

Und das ist die Meisterleistung des britischen Herstellers. Seit bald 10 Jahren in indischer Hand, versteht es der Inhaber Tata ausgezeichnet, das Profil der Marke zu schärfen und technisch hochstehende Produkte auf den Markt zu bringen, um neue Käufergruppen zu erschliessen.  Die Modernisierung wurde noch unter englischer Herrschaft eingeleitet und wird nun von Modell zu Modell konsequent vorangetrieben. A propos Vortrieb: Ein 3-Liter-Sechszylinder-Motor mit Kompressor sorgt in der Version S des XE für druckvollen Schub aus jeder Lage. Schnell den Jaguar Drive Selector auf „S“ gestellt, und das Gaspedal wird dank drive-by-wire hypersensibel. Gut für die Passtrasse, schlecht für die Autobahn und das Portemonnaie. Gratis dazu gibt es einen Notbremsassistenten, der für erhöhte Sicherheit sorgt.  

 

Wer Platz braucht, ist wohl mit dem XF Sportbrake Kombi besser bedient. Daher darf der XE die Sportlimousinen-Karte voll ausspielen. Und das tut er – es ist eine Freude, den Wagen um die Ecke zu werfen und die Gänge mit den Schaltpaddeln reinzuschnalzen.  Bleibt noch die Frage nach dem Preis des Vergnügens. Nun, Leistung ist nicht günstig, ausser man kauft sich einen Mustang, dem dann aber 2 Türen fehlen. In der Schweiz geht es ab 44‘900 Franken los (minus aktueller Bonus: CHF 5‘000.-) für den 4-Zylinder Diesel mit 163 PS, auch schon ein gutes Paket. Der S kostet aber wie hier gefahren fast das Doppelte und wird daher exklusiv bleiben. Vielleicht aber wird sogar er noch getoppt von einer noch wilderen „R“- oder sogar einer "SVR"-Variante? Wir werden sehen… aber wir hoffen es!

 

"Der neue BMW-Jäger"

Michael arbeitet als Product Manager bei autoricardo.ch im Segment B2B. In seiner Freizeit bringt er seine Boliden gerne ans Limit. Beim Driften und organisieren von Motosport Events schaltet er vom Alltag ab, frei nach dem Motto „Quer erlebste mehr!“. Fahrzeuge: Nissan 300 ZX TwinTurbo (1991), Audi A8 V8 TDI (2011).

 

 

Nicht ganz unvorbelastet, habe ich mich sehr auf den XE gefreut. Den Motor kenne ich bereits aus dem F-Type, in welchen ich mich schon vor einiger Zeit verliebt habe. Ungern schreibe ich Lobeshymnen, aber egal wie ich es wende, ich kann über den Jaguar XE keine Schmähkritik anbringen. Der Wagen wirkt sauber ausbalanciert und ist extrem ansprechfreudig, was dazu führt, dass es einem sehr schwer fällt, anständig zu fahren. Zu gerne hört man den leise fauchenden Motor (Sidenote: Der F-Type klingt noch aggressiver und „schnoddriger“, was mir im XE irgendwie fehlt).

 

Das Fahrwerk sorgt für perfekte Traktion, ist dabei aber nie zu straff oder zu schwammig. Mit der Umschaltung auf Sport, Ausschalten der Traktionskontrolle und starker Beschleunigung geht es leicht quer, kein Untersteuern oder dergleichen, das macht Spass! Wie er sich auf einem Rundkurs anfühlt, konnte ich leider nicht in Erfahrung bringen, doch ich denke, Audi, Mercedes und BMW dürfen sich warm anziehen. Der Jaguar XE ist ein Kurvenräuber, denn die viele Alu-Bauteile machen den Wagen sehr leicht und erzielen ein ungemein schönes Handling. Für mich gilt es nur zu hoffen, dass Jaguar eine R- oder RS-Version baut, dann hätten sie mich ziemlich sicher als Kunden gewonnen.  

 

Fazit: Atemberaubend, für den, der Leistung mag! Wer bisher nur Audi S/RS, BMW M oder AMG Mercedes angeschaut hat, sollte schnellstmöglich einen Jaguar-Händler aufsuchen. Und nein, ich kriege kein Geld von Jaguar für diesen Bericht!

 

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