Fahrbericht VW Passat

VW Passat Fahrbericht

„Der zuverlässige Freund“

Verena ist Online Marketing Manager von autoricardo.ch. Normalerweise mit dem Roller auf dem Weg zur Arbeit, fährt sie zur Abwechslung daher gerne auch mal ein Auto Probe und berichtet hier über ihre Eindrücke dabei. Fahrzeuge: Ford Fiesta (1997), Honda SES 125 Dylan Repsol Valentino Rossi Edition (2003).

 

 

Neben Ford ist die von mir meistgefahrene Automarke VW. Nebst dem VW Bus T3 bin ich oft mit den alten Passat Modellen aus  1987 und 2001 (alle 4x4) gefahren. Dem Auto, welches uns auch nach über 360‘000 km und in jeder Situation souverän wieder nach Hause gebracht hat. Ich freute mich also sehr auf die Testfahrt.

 

Ja, vor Platzmangel braucht man nun wirklich keine Angst zu haben. Viel Beinfreiheit für die Passagiere und sehr viel Raum für das Gepäck - top. Durch die vielen Zeitanzeigen kommt man auch kaum zu spät. Den Sinn der runden, altmodischen Zeigeruhr in der Mittelkonsole sehe ich allerdings gar überhaupt nicht. Auch hier finden sich viele Knöpfe und Anzeigen, die zu Beginn vom Fahren ablenken. Diese stellen sich aber als sehr nützlich heraus beim Fahren, wie z.B. die Lenkhilfe oder Funktionen für Ampel- und Staufahren. Die Lenkradheizung könnte wärmer werden – ich sehe den Passat jedoch eher als Männerauto und daher braucht es das wohl nicht.

 

Mein Lieblingsfeature: Die Lautstärke der Musik passt sich der Fahrgeschwindigkeit an. Diese Funktion wäre an meinem sehr lauten alten Ford Gold wert. Einziger echter Minuspunkt ist die schlechte Sicht nach hinten, mit der ich mich während der Testfahrt beim besten Willen nicht anfreunden kann. Ansonsten ist das Fahrgefühl tiptop. Würde ich mit dem Auto eine Weltreise machen, wäre meine Wahl nach wie vor der zuverlässige 4x4 Passat, dein Freund und Helfer. Und by the way, wäre es eine Campingreise, dann definitiv im VW Bus.

 

„Der Streber“

Marcel ist Managing Director von autoricardo.ch und auch neben der Arbeit dem Automobil eng verbunden - der Familienvater und Fan französischen Fahrkomforts holt daher gerne seinen Oldtimer aus der Garage. Fahrzeuge: Citroën CX 2.4 (1978), Citroën C5 V6 Break (2007), Saab 9-3 Turbo Cabriolet (2000) & Citroën C5 V6 HDi (2008).

 

 

Ich gebe zu, dass ich VW gegenüber das Vorurteil habe, dass sie sehr gute, aber auch langweilige Autos bauen - und sowas fährt man als Auto-Enthusiast ja nicht. Nachdem der Passat von der Autopresse nun aber schon zig-fach mit Bestnoten ausgezeichnet wurde, bin ich doch sehr neugierig darauf, den Passat selbst zu fahren. Der erste optische Eindruck: Irgendwie passt die bullige chrom(über)beladene Front nicht so recht zum eher filigranen Rest. Aber er soll ja reich an inneren Werten sein, und da begeistert mich gleich zu Beginn der ErgoComfort-Sitz. Ja, hier sitzt es sich richtig gut – auch hinten, wo die Beinfreiheit fürstlich ist. Dazu alles sauber und hochwertig verarbeitet. Die Bedienung ist durchdacht und mit etwas Ausprobieren selbsterklärend – das gefällt mir als Gebrauchsanweisungsverweigerer besonders.

 

In Fahrt fällt mir zuerst der Lenkassistent auf, der mich mit seinen Lenkeingriffen laufend immer wieder in die Spurmitte zurückbugsieren will. Grundsätzlich eine sinnvolle Sache, aber da er mich in jeder etwas enger gefahrenen Kurve mit Eingriffen nervt, schalte ich ihn ab. Wirklich schätzen gelernt habe ich dafür den Abstandstempomaten. Er perfektioniert den Passat, der so zusammen mit den tollen Sitzen (ich muss es nochmals schreiben) alles für ein entspanntes Kilometerfressen bietet. Wird’s mal kurvig, gibt sich der doch recht grosse Kombi trotzdem schön handlich und agil.

 

Also haben die Journalisten recht gehabt? Ja, irgendwie schon - nachdem ich herausgefunden habe, wie man den Lenkassistenten abschalten kann, bleibt mir bis auf den stolzen Preis kein echter Kritikpunkt mehr. Und das wird schliesslich genau meine Kritik: Der Passat ist ein Streber. Und Streber sind einfach schwierig zu lieben,  obwohl man weiss, dass sie Erfolg haben werden und sie insgeheim vielleicht sogar bewundert.


Das gefällt
: Sitze, Bedienung, Handlichkeit, Fahrkomfort, Raumangebot,
Das gefällt nicht: Preis – und dass es sonst nichts zu kritisieren gibt ;-)

 

„Fein gemacht“

Manu ist Content Manager bei autoricardo.ch, erstellt Mailings und Landing Pages und vermarktet autoricardo intern. In der Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), Renault Laguna Grandtour GT (2008), BMW F 800 GS (2008).

 

 

Als ich in Lupfig eintreffe, steht der Passat trotz Ankunft 1 Stunde vor Termin schon bereit. Gross sieht er aus, das neue Design mit den vielen Kanten streckt das Auto optisch, was übrigens bestens mit der Aussenfarbe „Harvard Blue“ harmoniert. Ein genialer Farbton, wie ich finde.Innen bin ich dann etwas enttäuscht, als ich die konventionellen Armaturen entdecke. Von all den Pressebildern verwöhnt, hatte ich mich etwas zu früh auf die neuen volldigitalen Armaturen mit TFT Bildschirm anstelle der analogen Instrumente gefreut. Ich konzentriere mich daher auf den Wagen selbst statt die elektronische Spielerei. Innen empfängt mich ein elegantes Interieur in feinem Nappa-Leder und Komfortsitze. Telefon verbinden klappt ruck-zuck, dann noch Navi und Spiegel einstellen und los gehts. Der 4MOTION-Allradantrieb hilft schon beim losfahren, allerdings benötige ich auch die hochauflösende Rückfahrkamera auf dem engen Platz. Zum Glück sind Pressefahrzeuge ja ausgerüstet wie ein Christbaum dekoriert – mehr ist manchmal auch einfach mehr.

 

Auf der Autobahn werden natürlich alle Assistenzsysteme eingeschaltet und ausprobiert. So fährt sich also ein Auto des Jahrgangs 2015: Alles lenkt, bremst und beschleunigt ganz von alleine; es warnt, piepst, blinkt und vibriert aber auch. Keine Angst, an der Fertigungsqualität liegt es bestimmt nicht - da ist man dem Optimum schon sehr nahe. Schon eher an mir, da ich den Passat bewusst (bei leerer Fahrbahn natürlich) aus der Spur laufen lasse, um die Warnung der verschiedensten Sensoren zu testen. Und ja, ich werde sanft, aber bestimmt auf meine Fahrfehler aufmerksam gemacht. Ein- oder zweimal schiesst er aber über die Sicherheitslinien hinaus, als wären da keine – ganz schlecht, wenn einem dann jemand entgegenkommt. Super ist der Abstandsradar, der den Mindestabstand nur ungern unterschreitet. Das Einbremsen erfolgt sehr sanft, aber effektiv, und danach wird wieder beschleunigt. Allerdings lenkt das permanente Regeln mit allen Assistenten vom Fahren ab, und man muss sich schon fragen, ob die Konzentration nicht zu stark darunter leidet.

 

Der Fahrkomfort fällt im Vergleich zum Mondeo im letzten Bericht etwas weniger gut aus, man könnte auch sagen, sportlicher oder fahraktiver. War beim Ford hingegen das DSG nicht ganz so flink wie erwartet, so schaltet das DSG von Volkswagen schnell und sanft. Erfreulich auch, dass die Gangwahl meist akzeptiert und nicht ignoriert wird; so kann man auch im „Top Gear“ bei knapp 1‘000 Umdrehungen den Verbrauch drücken und eine 4 vor dem Komma erreichen. Die neuen Technologien machen‘s möglich, dafür stellt aber der Motor bei der Einfahrt ins Parkhaus unnötigerweise mehrmals ab und gleich wieder an. Ist aber abschaltbar – also raus damit. Der Parkassistent funktioniert bestens und auch im 90°-Winkel – sehr gut. Beim Aussteigen muss ich aber noch über den Türgriff wischen, damit das Fahrzeug verriegelt, und auch ein Tankdeckel ist noch vorhanden – beides ist bei meinem Laguna (oder dem Mondeo) nicht mehr nötig und scheinbar moderner gelöst. Netterweise werde ich aber beim Aussteigen noch erinnert: „Bitte Mobiltelefon nicht vergessen“ – das finde ich sehr aufmerksam.

 

Der Laderaum erfüllt die Erwartungen, trotz der enormen Beinfreiheit auf den Rücksitzen, ist aber nicht ganz eben. Dafür ist bis in den letzten Winkel des Autos alles sehr wertig, was sich eben auch im Preis niederschlägt. Trotz aktuellem Euro-Bonus von 15% (Stand Februar 2015) kostet der Passat fast 15‘000 Franken mehr als der Mondeo. Dafür gäbe es auch einen nicht allzu alten Zweitwagen, und so ist mir der Passat am Ende doch zu teuer, so gut er auch ist. Aber die Zulassungen zeigen, dass dies den Schweizern scheinbar egal ist und es sich später im Wiederverkauf etwas relativiert.

 

Fazit: Teurer Edellaster mit anhaltend hohem Wert und Qualität im Überfluss, aber viel Ablenkungspotenzial.

 

„A8 mit Laderaum“

Michael arbeitet als Product Manager bei autoricardo.ch im Segment B2B. In seiner Freizeit bringt er seine Boliden gerne ans Limit. Beim Driften und organisieren von Motosport Events schaltet er vom Alltag ab, frei nach dem Motto „Quer erlebste mehr!“. Fahrzeuge: Nissan 300 ZX TwinTurbo (1991), Audi A8 V8 TDI (2011).

 

 

Der neue VW Passat hat meine Aufmerksamkeit schon lange und ist hoch spannend für mich, da er viele Elemente des Audi A8 bietet, was mir einen direkten Vergleich erlaubt. Aber „first things first“. Der Passat 2015 hat eine bullige und doch elegante Front, er erinnert mich an eine Mischung aus VW Scirocco und VW Phaeton, persönlich gefällt er mir ganz gut, bis auf das Heck, dessen Proportionen nicht ganz zu passen scheinen.

 

Innen ist der Passat sehr elegant und aufgeräumt, ja schon fast luxuriös. Die über das ganze Armaturenbrett gezogene Lüftung gibt einen sportlichen Touch. Die Ledersitze erinnern mich an einen Ford Mustang, also noch mehr sportlicher Look. Er ist nicht überladen mit Knöpfen, und doch sind alle da, die man braucht. Die Steuerung des Displays ist intuitiv und klar aufgeräumt, ebenso die Steuerung am Lenkrad, besser also als beim Mondeo vom letzten Monat. Das Lenkrad ist  griffig und schlicht gehalten, was mich sehr anspricht. Was mir im Innenraum jedoch sofort ins Auge sticht, ist der superschlanke Rückspiegel, da bin ich mir bei Autos mit Spurhalte-Assistent, Radar und Co. anderes gewöhnt.

 

Der Passat ist ja auch ein klassisches Vertreterauto, somit ist man damit oft lange unterwegs, Platz hat man dazu genug: Mit meinen 1 Meter 92 Körpergrösse habe ich noch super Kopf- und Beinfreiheit, höchstens die sehr breite Mittelkonsole hat dies etwas eingeschränkt. Der Kofferraum ist ebenfalls riesig, bei unserer Version auch mit zusätzlichem Stauraum, da ein Ersatzrad fehlt.

 

Der Motor hat zwar dank Diesel und Turbo einiges an Drehmoment, ist jedoch nicht so spritzig wie der Mondeo, den wir im Test hatten. Eco hin oder her, etwas mehr Ladedruck hätte er schon vertragen, gerade auf der Autobahn oder auf der Landstrasse beim Überholen.

 

Worauf ich aber am meisten gespannt war, ist der Spurhalte- und Stau-Assistent. Das Abbremsen auch bei hohem Tempo ist sehr sanft und angenehm. Der Spurhalte-Assistent ist aber wie bei allen Marken bislang nur ein nettes Feature, welches nur so ungefähr die Spur hält. Für alle anderen wirkt es jedoch, als wäre man besoffen, so wie der Wagen schlingert. Man wird aber auch alle 10 Sekunden aufgefordert das Steuer wieder zu übernehmen. Also nix mit autonomem Fahren - dafür ist es noch etwas zu früh. Erschreckend war auch, dass er auf der freien Autobahn plötzlich meinte, er müsse ohne Grund eine Vollbremsung einleiten. Somit ist da mehr als nur etwas Feintuning nötig, sorry VW – scheinbar gibt’s aber das auch bei anderen Marken.

 

Fazit: Sehr geräumiger Kombi mit elegantem Design und vielen durchdachten Features, aber besser mit 240 PS.

 

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