Land Rover Discovery

Quo vadis, Discovery?

Mario ist Category Manager bei autoricardo.ch. Seit frühester Kindheit sind Autos seine Leidenschaft. Seiner Ansicht nach, kann ein Auto eigentlich gar nicht genug Leistung haben. Entsprechend fährt er privat Nissan GT-R (2009) und Mercedes SL 55 AMG (2002).

 

Der Discovery ist ein Klassiker im Land Rover Sortiment. Ursprünglich als dritte Modellreihe eingeführt, bildete der Discovery die goldene Mitte zwischen Defender und Range Rover. Mittlerweile ist die Land Rover Modellpalette auf sechs Modelle angewachsen, und der Discovery will irgendwie nicht mehr so richtig hineinpassen.

 

Luxus oder Laster?

Eigentlich ist der Discovery ein Luxus-SUV, darf aber auch nicht zu luxuriös sein - wofür gäbe es denn sonst die ganzen Range Rover-Modelle? Gleichzeitig ist er für ein reines Arbeitsgerät aber wieder zu teuer und auch zu luxuriös.

 

Vorteil: Siebensitzer

Was klar für den Discovery spricht, ist die Möglichkeit, das Auto mit sieben Sitzen zu haben. Diese Option gibt es aktuell nur beim etwas kleineren Range Rover Sport und macht den Discovery für die grössere Familie interessant. Dazu sei aber gesagt, dass nicht nur die dritte, sondern auch die zweite Sitzreihe überraschend wenig Beinfreiheit für so ein grosses Fahrzeug bietet.

 

Alternative: Discovery Sport

Kommt man meistens mit fünf Plätzen aus und braucht die dritte Sitzreihe nur gelegentlich, würde sich der kleinere und günstigere Discovery Sport anbieten, der mit der optionalen verschiebbaren zweiten Sitzreihe dort deutlich mehr Beinfreiheit ermöglicht. Darüber hinaus ist der Discovery Sport auch das besser aussehende Fahrzeug. Discoverys waren nie die schönsten Autos, aber das aktuelle Modell hat nun wirklich die Grazie eines schwangeren Nilpferds. Es ist eigentlich schon erstaunlich, wie Land Rover mit der eigenen Modellpolitik dem Discovery das Leben erschwert. Der kleine Bruder ist günstiger, für Fondspassagiere geräumiger und sieht um Lichtjahre besser aus.

 

Kultivierter Motor

Dazu sei aber gesagt, dass der Discovery kein schlechtes Auto ist. Der Dreiliter-Dieselmotor läuft kultiviert und liefert für das grosse Auto angemessene Fahrleistungen. Das Fahrwerk ist sehr komfortabel, wankt nach heutigen SUV-Massstäben aber auch relativ stark. Jegliche sportliche Ambition des Fahrers wird dadurch im Keim erstickt.

 

Der Höchste im ganzen Land

Wer gerne hoch sitzt, wird sich im Discovery wohlfühlen - aus diesem Auto kann man auf andere SUV herabschauen. Gut, hat der Testwagen auch Parksensoren und Kameras, denn einen niedrigen Sportwagen direkt hinter dem Discovery sieht man aus der Heckscheibe nicht mehr.

 

Im Herzen ein Offroader

Aber wahrscheinlich kommt der Discovery erst im Gelände wirklich in sein Element. Neben zahlreichen Gelände-Assistenten hat er auch Untersetzung und Differentialsperren an Board. Schade nur, dass die wenigsten Discovery jemals wirklich offroad gehen werden. Auf der Strasse konnte er mich jedenfalls nicht begeistern.

 

Das Fahrzeug wurde von JAGUAR Land Rover Schweiz AG zur Verfügung gestellt, alle weiteren Kosten wurden von ricardo.ch übernommen.

The Full Monty

Manu ist seit 7 Jahren bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), BMW 525d Touring (2008), BMW F 800 GS (2007).

 

Historisch gesehen

In der Schweiz konnte der Discovery zwar nie aus dem Schatten des Range Rover treten. Er bot aber mit seinen 2 zusätzlichen Sitzen eine Alternative, die ihre Berechtigung hatte. Heute kann man aber sowohl den Range Rover Sport damit bestellen, als auch den kleineren Discovery Sport wählen. Der Disco muss sich also anders positionieren und stellt das obere Ende der neuen Disco-Familie dar, ist aber immer noch deutlich preiswerter als ein RR Sport.

 

Unterwegs

Auf der Strasse kann er vor allem Komfort. Man sitzt so erhaben, dass man sogar auf andere SUV runtersieht. Dies wäre im Gelände auch hilfreich – wenn sich denn jemand überhaupt über einen Feldweg hinaustraut, bei dem Verkaufspreis knapp unter CHF 100‘000.- . Und zutrauen sollte es man dem Disco, da er sogar Wasser bis zu einer Tiefe von 1m durchwaten und auch noch danke eines Sonars genau ausmessen kann. Ähnlich ausgeprägt sind seine Gene, oder Fähigkeiten, für den Einsatz abseits der Strasse dank diverser Sperren und Fahrmodi. Man muss ihn nur lassen…

 

Kernkompetenzen

Im Gelände also ist und war er schon immer eine Koryphäe – nicht erst, seit Old Top Gear ihn auf einen schottischen Berg gefahren hat. Heute ist er allerdings kein Camel Trophy-Hardcore Geländewagen mehr, sondern innen sehr edel verarbeitet - insbesondere die „First Edition“, die wir testen konnten. Allerdings ist man heute dank den schnellen Medien verwöhnt. Wer schon einen Blick in den neuesten Spross, den Range Rover Velar werfen konnte, der will halt auch nichts anderes mehr als verspiegelte Touchscreen allerorten. Ich persönlich schätze allerdings physische Bedienelemente sehr – mehr zu diesem Thema nächsten Monat, wenn wir auch den noch Velar testen konnten.

 

Was noch?

Innen fühlt man sich sehr wohl, zum Beispiel die kuscheligen Kopfstützen, die sich an einen schmiegen, oder die Kühlbox in der Mittelkonsole sind nette Goodies. Leider sind die Schaltpaddels in Plastik statt Metall oder Alu ausgeführt und fallen so etwas ab vom hohen haptischen Niveau des Innenraums. Und dann sind da noch die Innenleisten, die die kartographischen Muster der Discovery Entwicklungs- und Herstellungsstätten Gaydon, Solihull, London und Halewood tragen. Nettes Detail, das den Wagen besonders macht, allerdings auch wieder etwas heikel für die begüterte Grossfamilie, auf die der Discovery zielt. Lebt sie aber auf der bündnerischen Alp oder der Halbinsel Au, kann sie auch nach Hause fahren, wenn auf der Strasse Stau herrscht. Und dies gediegen mit einer wohltemperierten Getränkebar für die geladenen Gäste, die der Chauffeur vielleicht gerade abholt.

 

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