Der neue Opel Insignia Grand Sport

Rafael arbeitet als Product Manager bei ricardo.ch. Seine Freizeit (und Mittage) verbringt er mit Tennis oder Beachvolleyball und bei schönem Wetter fährt er am liebsten mit dem Rennvelo zur Arbeit.

 
Darf man sich beim Design schamlos bei der Konkurrenz bedienen? Diese Frage stelle ich mir während meinem Wochenende mit dem neuen Open Insignia Grand Sport immer wieder. Die Silhouette des knapp 4.9 Meter langen viertürigen Coupés erinnert stark an diejenige des Audi A7, das Head-Up Display scheint eins-zu-eins aus einem 7er BWM entlehnt und das Lenkrad weckt Assoziationen mit jenem der AMG-Kollegen aus Affalterbach. Das Head-Up Display ist dabei mit knapp 1000 Franken einer der günstigeren Punkte auf der langen Sonderausstattungs-Liste unseres Testwagens. Bose Sound System, Massagesitz, Schaltwippen am Lenkrad, 360-Grad-Kamera, Parkassistent und besonders das LED Matrix Licht schlagen mit insgesamt über 14'000 Franken zu Buche. Dadurch steigt der Gesamtpreis auf 53'300 Franken – der Basispreis für den 1.5 Liter Turbo mit Automatikgetriebe beträgt faire 39'100 Franken.
 
Beim Testen des eleganten Gleiters wissen insbesondere die 360-Grad-Kamera und die „Adaptive Cruise Control“ genannte Geschwindigkeitsregler zu begeistern. Die Kamera zeigt dem Fahrer beim Parkieren jedes noch so kleine Hindernis und sorgt damit dafür, dass das Parkieren auch bei den unübersichtlichsten Parklücken perfekt gelingt. Auf den dynamischen Geschwindigkeitsregler möchte ich besonders beim Fahren auf der Autobahn nicht mehr verzichten. Er erkennt die Geschwindigkeit der vor Auto vor einem, bremst bei stockendem Verkehr automatisch ab und beschleunigt wieder, sobald der Weg wieder frei ist. Der Parkassistent, der das Auto semiautomatisch in einen seitlichen Parkplatz zirkeln soll, versagt leider komplett. Erstens wird der freie Parkplatz bei unserem Test nur im dritten Anlauf als solcher erkannt und zweitens verkalkulierte sich der Assistent danach dermassen, dass wir schlussendlich schräg und nur mit zwei Rädern innerhalb des Parkplatzes zu stehen kommen. Auch auf den Massagesitz, der den Namen nicht verdient und die Schaltwippen wir.  
 
Meine Antwort auf die zu Beginn gestellte Frage lautet nach dem Wochenende ganz klar: Ja! Wenn man das elegante Design und die nützlichen Funktionalitäten so geschickt kombiniert wie Opel das im neuen Insignia Grand Sport tut, ist es ganz ok, wenn man sich von anderen erfolgreichen Herstellern inspirieren lässt. Denn damit gelingt Opel eine interessante Alternative zu gleich grossen und gleich schönen, aber deutlich teureren Autos aus er Oberklasse.
 
 

Branislavs Text über den Insignia

Branislav arbeitet als Mobile Entwickler bei ricardo.ch. Er liebt alles rund um neue Technologien (nicht nur Autos) und neue Trends. Fahrzeug: Skoda Octavia (2013).

 
Ich muss zugeben, dass der neue Look des Insignia ansprechend ist. Er hat viel mehr Klasse und Stil als sein Vorgänger.
 
Der Innenraum bildet da hinsichtlich des Designs keine Ausnahme, und seine komfortablen beheizten und belüfteten Sitze scheinen eine hervorragende Wahl für Langstreckenfahrten zu sein. Einfach über die Bose-Audioanlage in anständiger Qualität meine Lieblingsmusik spielen, in bequemen Sitzen Platz nehmen, den Abstandsregel-Tempomat einschalten und Kilometer machen.
 
Der gesamte Innenraum wirkt großzügig, mit genügend Platz zum Ablegen von Schlüsselbund, Handy oder einer Wasserflasche. Das Infotainment-System war leicht verständlich, und glücklicherweise hält Opel an ein paar Schaltern für die meist genutzten Funktionen fest, was ich zu schätzen weiß.
 
Meine Erwartungen an den 1,5-Liter-Motor mit Turbolader und 165 PS waren allerdings höher. Er fühlte sich manchmal etwas träge an, und in Sachen Leistung wäre die 2,0-Liter-Maschine eine weitaus bessere Wahl für dieses Auto. Der Wagen überraschte mich wiederum hinsichtlich des Handlings und der ruhigen Kurvenlage. Er bietet genug Komfort, ohne dass die Radaufhängung zu starr wirkt.
 
Was ich – dank LED-Matrix-Kurvenlicht-Scheinwerfer – besonders genoss, war den neuen Insignia bei Dunkelheit zu fahren, und auch das Head-up-Display bot mir nützliche Informationen. Das Technologie-Paket macht die Fahrt in diesem Auto angenehmer, allerdings fehlte mir ein wenig die Raffinesse – der Versuch, möglicherweise die nächste Ebene zu erreichen. Beispiele? Das automatische Einparksystem funktioniert zwar, aber es ist zu langsam für mich, weshalb ich es nicht nutzen würde. Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass jemand, der wirklich schlecht einparkt (und das auch weiß), es recht häufig nutzen würde. Der Abstandsregel-Tempomat arbeitet gut, aber der letzte Schritt in Richtung Stauautomatisierung fehlt: Der Wagen stoppt zwar automatisch, aber man muss das Gaspedal benutzen, um wieder anzufahren. Und die Rückfahrkamera mit 360°-Rundumsicht funktioniert zwar, aber die Qualität ist nicht allzu gut. Dasselbe gilt für den Spurhalteassistenten – er hält den Wagen innerhalb der Fahrbahnbegrenzung, doch das Auto bewegt sich trotzdem von links nach rechts und wieder zurück.
 
Alles in allem mochte ich den komfortablen und entspannten Insignia, insbesondere seine Matrix-LED-Scheinwerfer, das Head-up-Display, die bequemen Sitze und seine Kurvenlage.
 
 

Teil 2 der Insignia-Erfolgsstory

Manu ist seit 7 Jahren bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), BMW 525d Touring (2008), BMW F 800 GS (2007).

 
Die Firma
Momentan erlebt die Marke Opel ja bewegte Zeiten. Nach der Übernahme der Marke durch PSA/Peugeot-Citroën drohen Werksschliessungen und Entlassungen, wie immer in solchen Fällen. Für die Mitarbeiter ist zu hoffen, dass es nicht soweit kommt, doch die Auslastung im Brüsseler Werk spricht eine andere Sprache.
 
Das Auto
Umso mehr und vielleicht mehr denn je braucht Opel nun einen Erfolg. Und die Chancen dafür stehen gut:  Der Insignia ist generell komfortabel, die Verarbeitungsqualität lässt keine Wünsche offen, und der Preis stimmt. Ausserdem hat er die sehr guten AGR-Sitze und das fortschrittliche IntelliLux LED-Matrixlicht. Alles im grünen Bereich also?
 
Der Antrieb
Nicht ganz. Das Auto hatte früher durchweg souveräne Motorisierungen bis zu 3200 ccm Hubraum als Benzin-V6-Turbomotor. Nach wie vor kann man einen 2-L-Benziner haben, unser Wagen war aber mit dem 1.5 Liter ausgestattet. Und der hat trotz Turbo Mühe bei Autobahntempi. Man kann zwar Vollgas geben, jedoch wird er dann einfach lauter, aber nicht spürbar schneller. Hier wäre der 2-Liter Motor sicher besser gewesen, vor allem, wenn an der Seite noch“OPC-Line“ steht. Und: Soeben wurde der Insignia Gsi vorgestellt. Vielleicht hätten wir lieber den getestet...
 
Der Innenraum
Innen ist der Insignia sorgfältig gemacht, klar gezeichnet und mit ektuellem Infotainement ausgestattet. Die Sitze sind belüftet und der Innenraum ist auffallend leise. Man fühlt sich also wohl und kann nicht meckern. Wenn da der Motor nicht wäre, der sich etwas überfordert anfühlt. Bei innerstädtischem Tempo ist alles OK, darüberhinaus wirds gewöhnungsbedürftig.
 
Der Preis
Natürlich sind CHF 39‘100.- kein schlechter Preis, inklusive aller Optionen kommmen wir aber auf CHF 53‘400.-, und das ist für diese Leistungscharakteristik einfach zu viel. Besser hätte man da eineige Goodies für die total CHF 14‘300.- weggelassen und den CHF 10‘000.- teureren, aber auch 95 PS stärkeren 2-L-Turbomotor genommen. Vielleicht sind wir aber einfach nur verwöhnt; ein schlechtes Auto ist der insignia dadurch nicht, einfach ein etwas gelasseneres... Die Mehrheit wird sich sowieso für den Diesel Kombi entscheiden, und der hat dieses Problem nicht. Und: wie jeder neue Opel kommt er 1 Jahr lang mit OnStar, dem 24h-Notrufdienst mit Concierge Service per Knopfdruck. Nice.

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