Porsche 911 Targa 4S Fahrbericht

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Der erste Eindruck

Georg arbeitet im Business Development bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit reist er viel und gerne, und ist ein leidenschaftlicher Hobbykoch. Fahrzeug: Volvo XC70 D4 (2016).

 
 
Als Kind war der 911 Targa einer meiner Traumwagen, und als Erwachsener hat sich das nicht geändert. Die neue Generation gefällt mir besonders gut mit den B-Säulen in Aluminium-Optik als Anleihe an frühere Targa Generationen – ein wirklich schönes Auto.
 
Auch hinter dem Lenkrad macht das Auto einen guten Eindruck. Mit meinen immerhin 1.90m habe ich viel Platz sogar bei geschlossenem Dach, und die Sitze sind sportlich, aber auch bequem. Die Rundumsicht ist überraschend gut, auch nach hinten hat man dank des grossen Rückfensters einen guten Überblick. Viele praktische Details wie ausklappbare Türfächer und Becherhalter lassen eher an einen Familien- als einen Sportwagen denken.
 
Trotz 90 kg Mehrgewicht im Vergleich zum 911 4S Coupé, wohl bedingt durch die (übertrieben) komplizierte Dachkonstruktion, welche in wenigen Sekunden das halbe Auto auseinandernimmt und wieder zusammensetzt, klingen die Leistungsdaten sehr vielversprechend. Aus knapp 3 Litern Hubraum werden dank doppelter Turbo-Aufladung 420 PS und ein maximales Drehmoment von 500 Nm gewonnen. Das reicht auf dem Papier für den Sprint von 0 auf 100 km/h in 4.5 Sekunden, und sollte trotz knapp 1.6t Leergewicht auch reichen, um geradeso auf die in der Schweiz maximal erlaubten 120 km/h zu kommen.
 
Eine Rakete für alle Situationen
Die Leistungsdaten klingen nicht nur vielversprechend, sie fühlen sich auch so an. Ein Tritt aufs Gaspedal drückt einen förmlich in die Sitze, die Beschleunigung ist wirklich ein Erlebnis. Trotz Turbos hat der Motor einen super Sound, den man am besten mit offenem Dach geniessen kann. Der Fahrtwind hält sich sogar bei Autobahntempo in Grenzen, und dank Allrad macht dieses Auto wohl sogar im Winter Spass. Eine Einschränkung des Spasses ist für mich das Automatikgetriebe. Ich finde, dass eine manuelle Schaltung einfach besser zu diesem Auto passen würde.
 
Während ich eine tolle Beschleunigung und viel Fahrspass bei höherem Tempo erwartet hatte, war für mich die wirkliche Überraschung, wie gut sich der Targa im Alltag bewegen lässt. Die Federung ist zwar sportlich, aber durchaus komfortabel, und der Targa fühlt sich neben der Landstrasse auch in der 30er Zone wohl. Sogar Einparken ist eine Freude dank der eingebauten Rückfahrkamera.
 
Fazit
Ein Auto mit grossem Spassfaktor und Alltagstauglichkeit bis hin zu Isofix und Becherhaltern, dessen lässige Eleganz nur leicht durch übertriebene Spielereien wie die künstlichen Fehlzündungen beim Runterschalten beeinträchtigt wird. Mit dieser Kombination von Attributen spielt der 911er in einer eigenen Liga, und der Targa ist für mich die attraktivste Version, da er die Vorteile des Coupés und des Cabrios vereint. Bei so vielen tollen Seiten ist das einzige Problem der Preis – aber für dieses Auto lohnt sich das Sparen.

 

 

911 4S Targa – moderner Klassiker

Manu ist seit 7 Jahren bei autoricardo.ch. In seiner Freizeit geniesst er die Familie, fährt gerne Motorrad oder führt seinen Oldtimer aus. Fahrzeuge: Seat 850 C Especial (1971), BMW 525d Touring (2008), BMW F 800 GS (2007).

 
 
Die Annäherung
Es ist eine schnöne Zei: Erst dürfen wir Godzilla testen, den kultigen Nissan GT-R, und nun auch noch die Sportwagenlegende 911. In der Tiefgarage wartet der Targa 4S in einer tollen Farbe: Graphitgrau-metallic. Sie erinnert mich an den ersten Audi TT, Panzergrau habe ich dem immer gesagt... Doch als ich den Zündschlüssel auf der linken Seite drehe, ist die Erinnerung an den TT weggeblasen: Der 4S brüllt auf und erwacht zum Leben. Hoppala... nun gut, Motor läuft. Und das erste Grinsen stellt sich ein.
 
Und los gehts
Es geht auf Überlandstrassen, und die nötigen Tasten werden gedrückt, um den seit der Generation 991 vom Turbo etwas gedämpften Motorenklang auch unterwegs besser hörbar zu machen. Doch erst beim Dreh des Fahrerlebnisschalters im Lenkrad kommt der gewünschte, geliebte, echte Boxersound zurück. Bei rund 2‘800 Umdrehungen trompetet der Motor, wie anno dazumal der Turbolook-Breitbau des G-Modells, den bereits ich vor 15 Jahren ehrfürchtig erfahren durfte. Ja, genauso muss er klingen! Nur ohne das künstliche Gebrabbel beim Ausrollen bitte, das nervt und ist m.E. des Autos nicht würdig.
 
Das Dach
Der Targa 4S erinnert mit der B-Säule in Kontrast-Silber an die alten Targas und gewinnt dadurch deutlich an Präsenz. Der Mechanismus hat sich allerdings geändert. Das Targadach mit einer Heckscheibe von Glas Trösch aus der Schweiz, das man früher manuell abheben und einfach verstauen konnte, wurde vom automatischen und komplexen Verdeckmechanismus abgelöst, der nun etwas dauert und wohl Eindruck schinden soll. Noch etwas zuviel des Guten, wie mir scheint, und viel Gewicht ist wohl damit auch hinzugekommen (Leergewicht 1‘655 kg). Aber die schone Remineszenz an die 60er ist es wert...
 
Emotionen
Auf der Fahrt kann man sich des kultigen Drehzahlmessers erfreuen, in welcher ein Digitaltacho integriert worden ist. Und mehr braucht es nicht – vielleicht noch den Motorensound und das offene Dach – zum Glücklichsein. Ach ja, und einen leeren Pass vielleicht. Der Albis erfüllt morgens um 6 den Zweck, und es wird deutlich, dass auch mit den Fahrwerkeinstellungen auf Sport der Targa sich auch im Grenzbereich lebendig zeigt. Das ist gut so, ich will spüren, was das Auto macht, und das Vertrauen steigt. Bevor der Ausweis dann aber weg ist, gehts zurück ins normale Setup, plus Auspuffklappe und Dach offen, weiter nach Zug. Besser kann man gar nicht in die Woche starten.

Alltagstauglichkeit
Der 911 musste sich früher oft vorwerfen lassen, dass er unpraktisch oder sogar ein Widowmaker sei (930 Turbo). Dies ist heute nicht mehr so. Mehr Radstand, mehr Innenraum, Allrad, Komfort- und Entertainment-Funktionen heben den kultigen Klassiker in die Moderne. Ein Kindersitz links hinten und der Maxi Cosi rechts? Kein Problem, und ab gehts in den Familienausflug. Wenn der Junior nur doch schon etwas mehr mitbekäme... dann wäre er auch angefixt - ganz der Papa. Oder der Urgrossvater, der nur silberne 356 fuhr und den letzten jeweils an die Tochter weitergab...
 
Mein Fazit
Der Targa 4S kann Träume erfüllen. Der Preis eher Alpträume, da er sich bis auf CHF 190‘000 hochschwingt, aber wenn man sich etwas über Jahrzehnte erspart, dann ist es einem das auch wert. Und: Der Wertzuwachs ist bei der richtigen Konfiguration sicher - daher bitte das PDK weglassen und fürs selbe Geld die noch sportlichere GTS oder die neue T-Version wählen. Und einfach 911 pur geniessen... immer und immer wieder.

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